Gegenstand der germanistischen Mediävistik am Deutschen Seminar der Universität Basel ist die Geschichte der deutschen Sprache und Literatur vom 8. bis zum 16. Jahrhundert als Bestandteil der europäischen Kultur des Mittelalters und des Übergangs zur frühen Neuzeit. Die Macharten und die kulturellen Funktionen der verschiedenen Arten schriftlich überlieferter deutschsprachiger Texte entwickelten sich in diesem Zeitraum unter dem Einfluss mündlicher Traditionen, der lateinischen Schriftkultur und anderer volkssprachlicher, insbesondere romanischer Textvorbilder.

Weil mehr oder weniger gut gesicherte Vorstellungen vom Mittelalter und der Reformationszeit fest zum europäischen Selbstbild gehören, haben die unterschiedlichen historischen Disziplinen die Aufgabe, in interdisziplinärer Zusammenarbeit kritisch reflektiertes Wissen über die Vergangenheit zur Verfügung zu stellen. Das spezifische Feld der germanistischen Mediävistik wird dabei durch die gesamte deutschsprachige Textüberlieferung in ihren europäischen Zusammenhängen, in herausgehobener Weise aber durch die erhaltenen poetischen Texte bestimmt.

Die Erkenntnisinteressen gelten vor diesem Hintergrund sowohl der Andersartigkeit und Fremdheit älterer Texte – insbesondere poetischer – und der historischen Wissensordnungen, auf die sich beziehen, als auch den Traditionszusammenhängen, durch die die europäische Kultur ihre historischen Kontinuitäten herstellt.

Die historischen Schwerpunkte der germanistischen Mediävistik am Deutschen Seminar der Universität Basel liegen in Forschung und Lehre auf der Zeit vom 12. bis zum 16. Jahrhundert. Besonderes Augenmerk gilt dabei den grossen epischen und lyrischen Texten der hochmittelalterlichen höfischen Literatur im 12. und 13. Jahrhundert, deren Autoren – etwa Walther von der Vogelweide, Gottfried von Strassburg und Wolfram von Eschenbach – am ehesten einen Platz im heutigen kulturellen Gedächtnis haben. In der Gestalt Konrads von Würzburg, des produktivsten deutschsprachigen Dichters aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, hat Basel einen erheblichen Beitrag zu dieser höfischen Literatur geleistet. Aus dem späteren Mittelalter und dem 16. Jahrhundert gehören die Lieddichtung, der Prosaroman und die Schwankliteratur sowie die lateinische und deutschsprachige Literatur des oberrheinischen Humanismus mit ihrer gesamteuropäischen Bedeutung zu den besonderen Interessengebieten.

Methodische Schwerpunkte bilden literaturtheoretische Aspekte wie die historische Narratologie und die Bedeutung der Rhetorik für die historische Poetologie sowie die lateinisch-deutschen und die romanisch-deutschen Literaturbeziehungen. Gemäss den jüngeren Entwicklungen des Faches bezieht die Basler germanistische Mediävistik in ihren Gegenstandsbereich die literarischen Entwicklungen in der frühen Neuzeit bis an die Schwelle des Barock ein und behandelt die Übergangszeit zwischen älterer und neuerer deutscher Literatur in Kooperation mit der Neueren deutschen Literaturwissenschaft. Auch im Hinblick auf literaturtheoretische Fragen arbeitet die germanistische Mediävistik mit den anderen in Basel vertretenen Philologien zusammen. Der Standort wirkt an den Doktorandenkolloquien des Westschweizer Universitätsverbundes (Troisième Cycle) mit


Personen

Der Mitarbeiterstab der germanistischen Mediävistik besteht aus einer Professur – zurzeit vertretungsweise besetzt – einer Universitätsdozentur sowie Projektmitarbeitenden und Lehrbeauftragten.

Professur für Germanistische Mediävistik im europäischen Kontext

.
Sekretariat

Universitätsdozentur

Projektmitarbeiter und Lehrbeauftragter

Emeriti

 (✝)       Hübner                             Gert                             Prof. Dr.                     mediaevistik-germa@unibas.ch