SNF-Forschungsprojekt: Darstellung und Reflexion der Geschlechterrollen in deutschen Ehetexten ca. 1470 – 1580

In diesem Forschungsprojekt ging es darum, die Prämissen, Mechanismen und Funktionen der Rollenzuweisung für die beiden Geschlechter in der Ehe zu untersuchen. Besonders zu beachten war, dass es sich um literarische Entwürfe handelte, nicht um Beschreibungen der sozialen Realität. Die Diskrepanz zwischen Ehe-Literatur und Ehe-Realität zeigt sich schon daran, dass die Geschlechterrollen für ein und dieselbe rechtlich-soziale Institution (Ehe) z.T. sehr unterschiedlich festgelegt wurden. Die Gründe hierfür waren auf der Diskursebene zu suchen, nicht in unterschiedlichen sozialen Realitäten: Je nach Textgattung, Adressat, Intention des Sprechers, Sprache, Gebrauchsfunktion des Textes entstehen unterschiedliche Entwürfe von den Geschlechterrollen in der Ehe. Aufgrund der zeitlichen Eingrenzung des Textmaterials drängte sich von selbst die Frage auf, inwiefern die reformatorischen Ehetexte eine andere Geschlechterrelationierung entwarfen als dies bei den spätmittelalterlichen Autoren der Fall war. Die These von der Aufwertung der Frau in den reformatorischen Schriften war gleichfalls zu relativieren.

Projektmitarbeitende

  • Tobias Brandenberger
  • Katrin Graf
  • Monika Gsell
  • Helmut Puff