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Interphilologische Ringvorlesung: Literaturen der Schweiz

Koordination: Prof. Dr. Alexander Honold; Die Vorlesungsreihe findet statt: mittwochs, 16-18 Uhr, Universität Basel, Kollegienhaus, Hörsaal 102

Grosse europäische Sprachräume umgeben und bilden die Schweiz. Lage und Topographie versehen das Land mit einer besonderen geographischen Struktur: in der Vertikale exponiert bis in baumlose Hochgebirge, horizontal schutzreich eingebettet in prosperierende Regionen ihrer Nachbarländer. Einerseits war die Schweiz ein intensiver, verdichteter europäischer Transit- und Migrationsraum seit alters her, doch andererseits ist sie ebenso lange auch ein Mobilitätshindernis, ausgestattet mit Hemmnissen aller Art (erst die Alpen, dann kulturelle Reflexe der Xenophobie). Zur realen, alltäglichen Vielsprachigkeit der Schweiz gehört ausserdem noch das mundartliche Schweizerdeutsch in diversen regionalen Ausprägungen hinzu, als neben dem Englischen meistverwendetes Idiom ― eine Sprache ohne Skript. 

Für die Literaturen der Schweiz, die es insofern nur als Pluralbegriff geben kann, bedeuten die geographisch-kulturellen Besonderheiten des Landes Herausforderung und Antriebskraft zugleich. Im Grunde reicht die kulturell produktive Mittler- und Zwischenposition weit in die geschichtliche Konstituierung des Landes, ins Mittelalter und die Frühe Neuzeit zurück. Noch komplexer wird das Bild im Hinblick auf das aktuelle literarische Schaffen in der Schweiz, wenn etwa auch die sowohl zahlenmässig wie ästhetisch sehr beachtliche postmigrantische Literatur hinzugenommen wird, bei der AutorInnen anderssprachiger Herkunftsräume ihre doppelte oder mehrfache Sprachbindung in ihr Schreiben mit einfliessen lassen. Eine lange Vorgeschichte hat die Schweiz zudem auch als Ort der Diaspora, der Wahlheimat oder des temporären Rückzugsortes international renommierter AutorInnen, wobei das Spektrum von Jean-Jacques Rousseau und Mary Shelley über Hermann Hesse, Thomas Mann und Vladimir Nabokov bis zu Patricia Highsmith und Donna Leon reicht. 

Die Ringvorlesung wird diese historische und kulturelle Spannweite in der Schweiz vertretener Literaturen nicht systematisch, sondern lediglich exemplarisch erkunden können. Ziel ist es allerdings, mittels einer dezidiert interphilologischen Perspektive die etablierten fachphilologischen Kanonisierungsmuster durchlässiger zu machen und ein Sensorium für die ästhetische Diversität und ‘Ungleichzeitigkeit’ literarischer Prozesse zu entwickeln. In praktischer Hinsicht versucht die Ringvorlesung überdies auch zu Entdeckungen und Lektüren anzuregen, indem sie Beitrag für Beitrag literarhistorische Wegzeiger aufstellt, die in ganz unterschiedliche Richtungen weisen. 

 

PROGRAMM:

16. 09.2026: Alexander Honold (Universität Basel):

Orte, Namen, Wege. Ansichten zur Literaturlandschaft Schweiz

(ACHTUNG, abweichender Ort: Alte Universität, Hörsaal -101)

 

23.09.2026: Anna Hodel Laszlo (Universität Basel): 

Sprachen ohne festen Wohnsitz. Postmigrantische Poetiken der Schweiz

 

30.09.2026: Angelika Overath (Sent): 

Allegra! Rätoromanische ‘Gedichte aus den ersten Wörtern’

 

07.10.2026: Peter Utz (Universität Lausanne): 

Überflutung, Überhitzung: Literarische Katastrophendarstellungen von Gotthelf und Ramuz.

 

14.10.2026: Sarina Tschachtli (Universität Basel): 

Melusine in der Schweiz

 

21.10.2026: Benjamin Dinkel, Emmanuel Heman(Universität Basel): 

Im Schnee

 

28.10.2026: Ina Habermann (Universität Basel): 

Das unheimliche Paradies: Die Schweiz in der englischen Literatur

 

04.11.2026: Jürgen Barkhoff (Trinity College Dublin): 

Das Einsiedler Welttheater nach Calderón: Hürlimann, Krohn, Bärfuss 

 

11.11.2026: Hubert Thüring (Universität Basel): 

Literatur und Psychiatrie 

 

18.11.2026: Barbara Piatti (Basel): 

«Dichtestress» und weisse Flecken. Eine Kartierung der literarischen Schweiz 

 

25.11.2026: Natalie Moser (Universität Potsdam/ Universität Basel):

Heimaten. (Deutsch-)Schweizer Literatur der 2020er Jahre

 

02.12.2026: Hugues Marchal (Universität Basel): 

Valère Novarina und die Polyphonie 

 

09.12.2026: Lena Rohrbach (Universität Basel): 

Sturla Sighvatsson trifft Wilhelm Tell: Schweizerisch-isländische Verschränkungen im Erzählwerk Joachim B. Schmidts

 

16.12.2026: Christine Weder (Universität Genf): 

Immer im Weggehen: Swissness bei Annemarie Schwarzenbach?

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