Prof. Alexander Honold wird für sein Projekt "Terrapoetik. Landscape Writing im Anthropozän" vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördert.
Terrapoetik. Landscape Writing im Anthropozän.
Leitung: Prof. Dr. Alexander Honold
Laufzeit: 04/2026 bis 01/2030
Landscape/Landschaft ist in physikalisch-geographischer Hinsicht begründet durch das den Globus umspannende Oberflächenrelief der Erdkugel mit ihren charakteristisch verteilten Wasser- und Landmassen; auf dieser, ‹unserer› terra basieren sämtliche geo- und hydrographischen Phänomene sowie die darauf bezogenen Wahrnehmungsweisen und Darstellungsarten. Die praktische, wirtschaftliche und kulturelle Erschließung von Landschaft reicht entwicklungsgeschichtlich weit zurück. Diese Dimensionen behält das Projekt «Terrapoetik» als Hintergrund im Blick, wenn es den konkreten Untersuchungsrahmen auf ein landschaftspoetisches literarisches Korpus zeitgenössischer, vorwiegend deutschsprachiger Texte richtet.
Das literarische Schreiben über Naturphänomene umfasst ein Spektrum von Gegenständen und Problemlagen, das von der Thematisierung einzelner Pflanzen und Gesteinsformen, Tierarten und Habitate bis zur diskursiven Erschließung ganzer Landschaftsräume reicht, etwa zu Gebirgsbeschreibungen und Flussbiographien oder zur Reflexion der sich rapide verändernden klimatischen Globalbedingungen im Anthropozän. Die Breite der Texte und Schreibweisen, die neben erzählender und essayistischer Prosa auch formaffine Lyrik umfasst, wird in zwei exemplarischen und miteinander vernetzten Teilprojekten zugeschnitten auf die beiden zentralen Aspekte der Relieferfassung und Nachgestaltung («terra-forming») und der Erkundung hydrologischer Kreislaufsysteme und ihrer Disruptionen (river writing).
Die Beschäftigung mit dem hier erschlossenen literarischen Textkorpus wird über ihre fachphilologische Erschließungsleistungen hinaus die kulturelle Diskussion durch vielfältige, prägnante Einsichten in das permanente und allgegenwärtige Interagieren von natürlichen und kulturellen Landschaftsfaktoren bereichern. Aus den Lektüren und Analysen des Projekts kann eine neue Bewusstheit für komplexe Tiefenzeit-Phänomene hervorgehen, womit deutlich wird, in welch extrem unterschiedliche Zeitformen und Geschwindigkeiten die Veränderungsprozesse der natürlichen Lebensgrundlagen eingebunden sind.
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