Aktuelle Projekte

 

 

Jubiläumsfeierlichkeiten zum 500. Todestag von Sebastian Brant, Universität Basel.

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Interdisziplinäre Tagung:

Todesnarrative: Inszenierungsformen des Sterbens in Literatur, Kunst und Realität

2.–4. September 2021, Universität Basel; Organisation: PD Dr. Tina Terrahe und Prof. Dr. Alexander Honold

Der Tod ist eine anthropologische Konstante und hat die Menschheit seit Anbeginn kulturhistorisch geprägt. Dementsprechend finden sich unterschiedlichste narrative Inszenierungen des Sterbens vor allem in literarischen, aber auch in bildlichen Darstellungen, Artefakten sowie in historischen Quellen, die jeweils auch bestimmte Interpretationen beinhalten. Da der Umgang mit Tod und Sterben viel über soziale, kulturelle und ästhetische Grundkonstellationen aussagt, tangiert der gesamte Komplex essentielle Kernbereiche des menschlichen Lebens, die heute vielfach tabuisiert werden.
Anders als bei der neuzeitlichen Ausgrenzung des Todes findet das Sterben in historischen Darstellungen in der Mitte der Gesellschaft statt, was allerdings von der Forschung bislang nicht eingehend untersucht wurden. Die Tagung fokussiert daher Darstellungen und Präsentationsformen des Sterbens von der Vormoderne bis in die Neuzeit hinein, und will einen historischen Querschnitt zur Frage versuchen, was einen guten beziehungsweise schlechten Tod ausmacht. Die genuin literaturwissenschaftliche Perspektive soll durch Beiträge aus den Geschichtswissenschaften und angrenzenden Fächern sowie der Freitodbegleitung ergänzt werden.

Programm

 

Zaubern, Heilen und Dichten: Kodikologische und kulturhistorische Perspektiven zwischen Religiosität, Magie und Medizin

Zauber-, Segenssprüche und Beschwörungen gehören zu den ältesten volkssprachlichen Texten, die aus dem Frühmittelalter überliefert sind, und sie entstehen aus einem dringenden Bedürfnis heraus: Man möchte mit ihnen Krankes heilen, Wertvolles schützen und Gefahren abwenden. Kulturhistorisch ist an diesen Texten besonders ihre Hybridität von Interesse, da sie zwischen Religion und Magie changieren. Zwar existieren in wenigen Fällen heidnische oder vorchristliche Einflüsse, allerdings sind diese wesentlich seltener, als in der Forschung allgemein angenommen, weshalb dieser Aspekt einer kritischen Revision unterzogen werden soll. Kodikologisch ist die Textsorte bemerkenswert, da in den frühen Handschriften kein eigentlicher Platz für sie vorgesehen ist, weshalb sie zunächst meist als Streuüberlieferung mehr oder minder zufällig an den Rändern anderer Texte eingetragen wurden. Der zeitliche Rahmen erstreckt sich vom Früh- bis ins Spätmittelalter, als man beginnt, das Phänomen der Magie unter dem Paradigma der Hexerei systematisch zu verfolgen.
Zu fragen ist nach Gemeinsamkeiten und Differenzen dieser drei Textsorten, wobei davon ausgegangen wird, dass hier ein jeweils unterschiedliches Maß an Selbstermächtigung zugrunde liegt: Beim Zaubern versucht der Agierende, aus eigener Kraft heraus die Realität zu verändern, bei der Beschwörung tut er dies meist mithilfe einer herbeigerufenen Macht und beim Segen wird Gottes Macht erbeten. Andererseits soll der performative Aspekt dieser Texte in den Blick gerückt werden, denn es handelt sich dabei um Sprechakte, mithilfe derer etwas bezweckt werden soll. In anderen Fällen, bei sogenannten Buchstaben-Amuletten oder etwa Esszetteln, ist dem Akt des Aufschreibens in einer festgelegten Anordnung bzw. dem Einverleiben des Schriftstückes selbst eine spezielle Wirkung inhärent.
Problematisch ist für diese Untersuchung vor allem die schwierige Überlieferungslage, denn magische Texte, Segen und Beschwörungen sind selten in bestimmten Überlieferungsträgern versammelt: Es ist charakteristisch für diese Textsorte, dass sie am Rand nachgetragen, vereinzelt und unsystematisch in andere Sinnzusammenhänge eingestreut werden. Erste Untersuchungen haben ergeben, dass es sich weniger um Magie, als um ein praktisch-religiöses Schrifttum handelt, das im Rahmen der Handschriften unproblematisch in den christlichen Kontext integrierbar ist.

 

Abgeschlossene Projekte

Berufsrisiko Tod: Narrative Konzepte des (Über- und) Ablebens in der höfischen Epik um 1200. Marburg 2019.

Die Studie untersucht die dem mittelalterlichen Heldenethos geschuldeten Toten und ihre Funktion im narrativen Gefüge der Texte: Anhand der zentralen höfischen Epen um 1200 wird nach gattungsspezifischen Heldenkonzepten und deren Verhältnis zum Tod gefragt.
Das ‚Rolandslied‘ des Pfaffen Konrad etwa inszeniert das heilige Sterben der christlichen Kreuzritter, wohingegen im ‚Eneasroman‘ Heinrichs von Veldeke die Qualitäten eines guten Feldherrn betont werden, der das Leben seiner Untertanen schont. Hartmanns Artusromane ‚Erec‘ und ‚Iwein‘ diskutieren friedliche Strategien der Konfliktlösung, um tödliche Zweikämpfe zu vermeiden und in Wolframs ‚Parzival‘ sterben Ritter reihenweise im zu spät belohnten Minnedienst.
Neben prominenten literarischen Toten werden hier erstmals auch vermeintlich unwichtige Nebenfiguren systematisch analysiert, die in der bisherigen Forschung nicht besonders beachtet, sondern eher überlesen wurden. Ihnen widmet sich das Projekt und will zeigen, dass neben den Überlebenden auch die unzähligen poetischen Todesfälle, die prominenten wie die unprominenten, wesentlich für die Konzeption und Wirkung der Texte sind. Die Toten müssen dabei stets in Relation zu den Überlebenden gesehen werden, die mithin für die Tode verantwortlich zeichnen, weil sie sie entweder nicht verhindert oder leichtfertig riskiert haben. So behandelt die kulturwissenschaftlich ausgerichtete Studie historisch-narratologische und philologische Fragestellungen zu den Interferenzbereichen der Geschichts-, Rechts-, Kulturwissenschaften und der Germanistik.

 

Dissertation: Heinrich Steinhöwels ‚Apollonius‘. Edition und Studien. (Frühe Neuzeit 179) Berlin 2013.

Die Geschichte um Apollonius von Tyrus gilt als Lieblingsbuch des deutschen Mittelalters. Die bisher unedierte Apollonius-Bearbeitung des Ulmer Frühhumanisten Heinrich Steinhöwel wird in einer kritischen lateinisch-deutschen Paralleledition nebst Informationen zu Überlieferung und Textgenese präsentiert. Die besondere Nähe der Leithandschrift zum personellen Umfeld des Autors, die zudem den ältesten Sprachstand repräsentiert,  macht den Textzeugen zur Ausgangsbasis einer Edition, die im Apparat mit den Abweichungen zur Fassung des prominenten Augsburger Buchdruckers Günther Zainer (1471) die Überarbeitung für den überregionalen Buchmarkt dokumentiert. Auf diese Weise können tiefgreifende Rückschlüsse auf Literaturproduktion und -betrieb an der Schwelle von der Handschrift zum Buchdruck gezogen werden.
Der Forschungsteil situiert Autor und Werk im sozialhistorischen Umfeld, für das eine beachtliche Quellenlage zu verzeichnen ist. Aus dem engen persönlichen Netzwerk zwischen Übersetzer, Schreiber und Handschriften- sowie Inkunabelbesitzern lässt sich ein spezifisches Publikumsinteresse an einem Text ablesen, dem im Sinne der zeitgenössischen Kreuzzugsambitionen nach dem Fall von Konstantinopel (1453) eine politische Virulenz zugesprochen werden kann.
Insofern schließt sich ein Kreis zwischen dem Ulmer Autor, der Augsburger Überarbeitung für den Buchdruck, einem überregionalen Publikumsinteresse und den Besitzern der Textzeugen, und eröffnet eine weitgespannte Perspektive auf den politischen und kulturhistorischen Kontext volkssprachiger Literatur in den Zeiten des Medienumbruchs.

 

Digital Humanities-Projekt (DFG): "Marburger Repertorium zur Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus (MRFH)"

Thema: Das Forschungsprojekt (2007-2012) untersucht die frühhumanistischen Übersetzer und ihre deutschsprachigen Werke bis 1500. Breiten Raum nimmt die Überlieferungsgeschichte ein, in der sich zugleich der Umbruch vom handschriftlichen zum gedruckten Buch widerspiegelt. Detailliert erfasst werden zugleich die in den Übersetzungen genannten Widmungsadressaten sowie die zeitgenössischen Handschriften- und Inkunabelbesitzer und die Schreiber der Handschriften.

 

Wissenschaftliches Netzwerk (DFG): "Humanistische Antikenübersetzung und frühneuzeitliche Poetik (1450-1620)" 

Das DFG-Netzwerk (2011-2016) untersuchte deutsche Übersetzungen antiker Texte, die im 15. und 16. Jahrhundert entstanden sind und für die Ausdifferenzierung der deutschen Literatursprache von Bedeutung waren. Publikation: Humanistische Antikenübersetzung und frühneuzeitliche Poetik in Deutschland (1450–1620). Hg. von Regina Toepfer, Klaus Kipf und Jörg Robert. Berlin, Boston 2017 (Frühe Neuzeit 211).