Promotionsprojekt


satura
. Philologie des monströsen Texts in der Antike und um 1800

Allgemeine Literaturwissenschaft
Betreuung: Prof. Dr. Ralf Simon (Germanistik, Universität Basel); Prof. Dr. Melanie Möller (Latinistik, fu Berlin)

Das interphilologische Dissertationsprojekt versucht, über den Begriff der satura (Satire) einer transhistorischen Poetik von Werken auf die Spur zu kommen, die in ihrer wilden Mischförmigkeit und (inter)textuellen Hypertrophie eine monströse Faktur gewinnen. Es gilt, die Satire (satura: Pastete, Pot Pourri) als eine paradoxe Unform herauszustellen, als eine Schreibweise, deren Verkehrungsgestus eine dissoziative, mithin selbstzerstörerische Dynamik ins Werk setzt.

In der satura verbindet sich die intertextuelle Gefrässigkeit eines generischen Parasiten mit einer zersetzenden Selbstreflexion. Seine markanteste Ausprägung findet der groteske Textkörper der satura im „Antigenre“ der sog. menippeischen Satire. Die literarischen Monstren dieser Tradition lassen schon an der prosimetrischen und vielsprachigen Oberfläche eine genuine Hybridität erkennen. Anders als die am modernen Roman orientierten gattungspoetologischen Grossentwürfe des 20. Jahrhunderts (Frye, Bachtin) arbeitet dieses Projekt am antiken, insbesondere am römischen Textkorpus eine Idee der satirischen Unform heraus, deren Prinzipien nicht in die synthetische Totalität der ,Universalpoesie‘ münden. Vielmehr lässt sich an exemplarischen Vertretern der literarischen Unform  vor und um 1800 – Johann Georg Hamann, Georg Christoph Lichtenberg, Jean Paul – zeigen, dass in der satura ein Ensemble von poetischen Verfahren überdauert, das noch die Formenvielfalt des Romans der kritischen Zersetzung anheimgibt. Saturierte Texte inszenieren das Scheitern der Assimilation, sie erwachsen aus der anhaltenden, ruminierenden Verdauungsarbeit am sprachlichen Material. Indem es die antike satura als einen destruktiven, selbstreferentiellen textus edax profiliert, erschliesst das Dissertationsprojekt ein für die Theorie der Prosa zentrales Paradigma.