Muss es auf Standarddeutsch Fahrrad heissen oder geht auch Velo? Wer entscheidet überhaupt hierüber? Stimmt es, dass der Genitiv im Deutschen vom Aussterben bedroht ist? Und falls ja, wäre das schlimm? Wieso haben wir den Eindruck, dass manche Sprachgebrauchsweisen typisch für bestimmte Gruppen sind und was ist dieses Typische? Was passiert im Kopf, wenn wir Sprache verarbeiten? Und wie lernen Kinder oder Erwachsene Sprache(n)?

Mit Fragen dieser Art setzt sich die Sprachwissenschaft (Linguistik) auseinander. Sie bildet die Grundlagendisziplin für eine wissenschaftliche Beschäftigung mit Sprache – dem primären Zeichensystem menschlicher Interaktions-, Kulturschaffungs- und Denkprozesse. Die Linguistik untersucht Sprache in ihren verschiedenen sozialen, medialen und historischen Erscheinungsformen. Sie ist eng mit den Gesellschafts-, Medien- und Kognitionswissenschaften verbunden.

Kompetenzziele und Inhalte des Studiums

Im sprachwissenschaftlichen Studium an der Universität Basel wird eine vertiefte Kenntnis und damit Kompetenz zur Diskursmitgestaltung in den folgenden Bereichen vermittelt:

  • Bedeutung der Sprache für Alltag, Kunst und Wissenschaft im privaten und öffentlichen Raum
  • Zusammenhang von Sprache, Denken und Kommunikation (Wissenstransfer)
  • Zusammenhang von Sprache und sozio-kultureller Identität
  • Bedeutung von sprachlichem Wandel für soziale und kulturelle Prozesse
  • Linguistische Theoriebildung und Zusammenhang von wissenschaftlichem Fortschritt in der Sprachwissenschaft und ihren Nachbardisziplinen

Zu Beginn des Linguistikstudiums stehen Analysen des Sprachsystems und des Sprachgebrauchs in der Kommunikation im Vordergrund. Es folgen Lehrveranstaltungen zur historischen Entstehung und geografischen Verbreitung des Deutschen und seiner Dialekte sowie Einführungen in verschiedene Schwerpunktbereiche der Basler Forschung. Im weiteren Verlauf des Studiums können die Studierenden eigene Interessen vertiefen.

Empirische Überprüfungen von aktuellen theoretischen Fragestellungen, z.B. durch Korpusanalysen oder eigene Datenerhebungen, werden besonders gefördert, indem Seminar- und Abschlussarbeiten im Rahmen bestehender Forschungsprojekte geschrieben werden können. Die Deutsche Sprachwissenschaft pflegt die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den Sprachwissenschaften der einzelnen Philologien ("interphilologisches Programm").

Schwerpunkte

In der germanistischen Linguistik in Basel haben sich vielfältige Schwerpunkte etabliert. Insbesondere befassen wir uns

  • mit der mentalen Dimension von Sprache (Kognitive Linguistik, Psycholinguistik)
  • mit kindlicher Sprachentwicklung (Spracherwerb)
  • mit aktueller und historischer linguistischer Theoriebildung (Sprachtheorie, Sprachwissenschaftsgeschichte)
  • mit dem Sprachgebrauch (Pragmatik)
  • mit sprachlicher Variation entlang räumlicher und sozialer Achsen (Varietätenlinguistik, Dialektologie). Siehe hierzu das Projekt Variantenwörterbuch.
  • mit der historischen Entwicklung des Deutschen (Sprachgeschichte)
  • mit Fragen des Zusammenhangs von Sprache und Gesellschaft (Soziolinguistik)
  • mit der Musterhaftigkeit von Sprache (Phraseologie), hierzu beispielsweise die Projekte Kollokationenwörterbuch (2014) und Deutsche Sprichwörter und Redewendungen im Sprachwandel (2013).
  • mit Aspekten des Lehrens und Lernens von Sprachen (Sprachdidaktik)
  • mit der Organisation von Texten und Gesprächen (Text- und Gesprächslinguistik)
  • mit der Sprachverwendung in den Medien (Medienlinguistik)
  • mit empirischen Methoden der Datenerhebung und Datenanalyse (u.a. Korpuslinguistik). Entstanden ist in Basel beispielsweise das Schweizer Textkorpus.
  • mit der Erforschung von Orts- und Flurnamen (Onomastik), z.B. im Projekt Orts- und Flurnamenforschung Basel-Stadt
  • sowie mit der Erstellung von Wörterbüchern (Lexikographie). Entstanden sind in Basel in den letzten Jahren das Kollokationenwörterbuch (2014), das Neue Baseldeutsch Wörterbuch (2010) und das Variantenwörterbuch (2004; Neuauflage in Bearb.).


Universitätsdozentur



Lehrbeauftragte, Projektmitarbeitende und Gastwissenschaftler



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